Should we all be freaking out? (Hochzeitsreise II)

Ein Thema, das uns permanent auf der Hochzeitsreise begleitet hat, war the swine flu, H1N1 oder schlicht die Schweinegrippe. Kurz vor unserer Abreise Ende April tauchten erste Meldungen über Fälle in Mexiko auf („Fahrt da bloß nicht hin!“).

In den USA angekommen, konnte man der Berichterstattung dazu beim besten Willen nicht aus dem Weg gehen. Sämtliche Fernsehsender waren voll von annähernd ganztägigen mehr oder meist weniger gehaltvollen Diskussionen und Reportagen zur „Swine Flu“. Außer der außerehelichen Beziehung vom ehemaligen Präsidentschafts-Vorkandidaten Edwards und der Frage, ob er wohl ein Kegel gezeugt haben mag, gab es keinerlei andere Themen.

Jedenfalls: Anfangs war man offenbar sehr froh, dass es lediglich einen einzigen Fall in Texas gab, und der betroffene Junge war ja auch schließlich Mexikaner… Danach freute man sich, dass zumindest Florida grippefrei war, um schließlich dazu überzugehen, die nicht befallenen Counties zu feiern.

Zusätzlich gab es reichlich merkwürdig und irritierend anmutende Momentaufnahmen von Amerikanern: Da war beispielsweise ein Herr, der nun angab, bestimmte Dinge (habe ich nicht genau verstanden) mit seinem Arsch nicht mehr machen zu wollen. Außerdem Rentnerinnen, die sich strahlend vor laufenden Kameras die Hände wuschen. Und die arme College-Studentin, die so gerne zum Spring Break wollte, aber nun zuhause in Quarantäne war und während des Interviews aus Angst vor Stigmatisierung nur ihre rose Hausschuhe filmen ließ. Fragt man sich doch, was da schlimmer ist: die Schweinegrippe oder die Hausschuhe…

Dann kam es zur Umbenennung der swine flu in H1N1, da man einen Einbruch bei den Fleischkäufen fürchtete. Am nächsten Tag hieß die Krankheit dann im Fernsehen „H1N1, formerly known as swine flu“, und einen weiteren Tag später war man wieder zur swine flu zurückgekehrt.

Vize Joe Biden machte sich besondere Freunde, als er äußerte, man solle als noch Gesunder nicht einfach sein Leben weiterleben und Vorsicht walten lassen, sondern auf jeden Fall zuhause bleiben und niemanden treffen!  Und: Finger weg von öffentlichen Verkehrsmitteln! Wenn beispielsweise ein Infizierter in einem Flugzeug niese, dann würde sich das über die komplette Kabine verteilen, und jeder könne krank werden. Dafür gab es prompt Schelte von Air France, die erst einmal auseinandersetzten, wie die Luft in einer Flugkabine tatsächlich zirkuliere, und Joe Biden wurde daraufhin ordentlich im Fernsehen verspottet.

Angesichts dieser Berichterstattung kann man die ebenfalls vom Fernsehen aufgeworfene Frage „Should we all be freaking out?“ überhaupt nicht beantworten. Wir jedenfalls haben es nicht mit Joe Biden gehalten und haben uns einfach ein wenig vorgesehen, aber auf nichts verzichtet – abgesehen von einem Ausflug nach Mexiko, worauf später noch zurückzukommen sein wird.

Fortsetzung folgt.

Scheilo

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