Free Polanski – wieso nochmal?

Also, fest steht ja wohl, dass Roman Polanski vor etwa 32 Jahren angeklagt war, eine damals 13jährige nach US-amerikanischer Definition vergewaltigt zu haben. Dann kam es offenbar im Verfahren zu einem Deal: Polanski bekommt ein paar Monate in einer medizinischen Einrichtigung, und fertig ist die Laube. Pan Polanski aber traute dem Frieden nicht und türmte noch während des Verfahrens. Seit dem lebt er mehr oder weniger unbehelligt im Ausland.

Nun – wie gesagt, 32 Jahre nach der Tat – packt ihn der internationale Haftbefehl in der schönen Schweiz, die Künstler dieser Welt jaulen auf und wittern einen Skandal: Der arme Mann, hatte schon so ein schlimmes Leben, Judenverfolgung, Sharon Tate und Charles Manson und und und – und jetzt das! Außerdem so talentiert, so brillant, das kann man doch nicht machen! Und das heute 50jährige Opfer (kann jemand rechnen?) will damit auch nichts mehr zu schaffen haben, also: Free Polanski!

Das mag ja alles stimmen, aber was hat das mit der Sache zu tun? Vergewaltigung verjährt nach US-amerikanischem Recht nicht, folglich muss Pan P. lebenslang damit rechnen, festgesetzt zu werden. Es wird doch vielmehr höchste Zeit, dass das Verfahren – wie auch immer – zu einem Abschluss kommt.

Der eigentliche Skandal an der Sache ist doch nicht, dass ein weltbekannter Künstler wie jeder andere Bürger behandelt wird, sondern dass die Festnahme erst jetzt erfolgt ist. Der Haftbefehl ist offenbar seit 2005 (wieso so spät?) in der Welt, und Herr Polanski hatte doch tatsächlich einen Wohnsitz in der Schweiz angemeldet. Da hat doch einer gepennt!

Im Übrigen: Mehr als peinlich, dass sich nun Leute öffentlich hinstellen und sein Verhalten von damals quasi als Kavaliersdelikt oder Jugendsünde (eines Mittvierzigers!) herunterspielen.

Die Scheil

Eine Antwort to “Free Polanski – wieso nochmal?”

  1. Bernie Says:

    Dass sich jetzt Leute hinstellen, und eine Straffreiheit im Namen der Kunst fordern, finde ich auch abwegig, jedoch sollte die Prominenz Polanskis andersherum nicht den Blick darauf verstellen, dass es eben doch einige Ungereimtheiten im Strafverfahren gab. Warum traute Polanski „dem Frieden nicht“? Weil Richter Rittenband sich an die plea bargain – die übrigens vom Anwalt des Opfers vorgeschlagen wurde – nicht halten wollte. Ne bis in idem – aber dass Polanski es angesichts des, nunja, schwierigen Richters darauf nicht ankommen lassen wollte, kann man nachvollziehen. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich will Polanskis Tat nicht entschuldigen oder rechtfertigen. Und wie es scheint, hatte Rittenband auch allen Grund, ihm nach den 42 Tagen Haft zu zürnen, denn dann tauchten diese Fotos auf. Dennoch erzählt der Satz „Bösewicht entgeht jahrzehntelang seiner gerechten Strafe“ nicht die ganze Wahrheit.

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