Literaturspartipp: Der Fänger im Roggen (Salinger)

Ich lese Weltliteratur. Und wer mit mir im Deutschkurs saß, der weiß, was mit mir passiert, wenn ich Weltliteratur lese: Ich find’s zum Kotzen! Aber der Reihe nach.

Der Fänger im Roggen oder auch The Catcher in the Rye, wie ich es gelesen habe. Es ranken sich Mythen um dieses Buch. Attentäter und Massenmörder tragen es mit sich herum, bezeichnen sich selbst als Fänger im Roggen. Das klingt doch spektakulär, also habe ich all meine spärliche Erfahrung mit Weltliteratur beiseite gelegt und das Buch ausgeliehen.

Eins vorweg: Ich habe drei Monate für das Büchlein gebraucht (okay, dazwischen kam der Étranger).

Ich steh auf Bücher, die irgendwie spannend sind oder eine interessante Handlung haben. Trifft beides nicht auf den Fänger im Roggen zu.

Zur Sache: Hauptdarsteller ist ein gewisser Holden Caulfield, ca. 15 Jahre alter Schulversager aus New York, der gerade mal wieder kurz vor Weihnachten aus dem Internat geflogen ist. Da er sich nicht traut, vorzeitig nach Hause zu fahren, treibt er sich drei Tage lang in der Stadt herum, die angeblich niemals schläft. Aber weit gefehlt! Holden langweilt sich eher, kommt nicht in Bars rein, muss immer Cola trinken und lernt keine Frauen kennen, weil er ja noch so jung ist. 220 Seiten lang. Sonst passiert nix!

Holden ist ein ziemlich negativer Typ. Er findet alles und jeden scheiße und würde am liebsten mal so richtig aufräumen. Jaja, die Pubertät kann schon schlimm sein. Was es mit diesem Fänger im Roggen auf sich hat, kann ich nur vermuten. Es gibt da so ein Kinderspiel, bei dem man aufpassen muss, dass man nicht vom Spielfeld abkommt. Holden sagt, er wäre beruflich gerne der Fänger im Roggen, was wohl bedeuten soll, dass er all diejenigen einfangen (bestrafen?) will, die aus der Gesellschaft ausbrechen. Und das sind für ihn ja fast alle Leute. Da kann man schon mal zum Massenmörder werden! Wird er aber nicht.

Was klasse an dem Buch ist: Salinger versteht es, einem diesen wirren Charakter von Holden verständlich näher zu bringen. Was etwas zäh an dem Buch ist: Es hat keinen Spannungsbogen.

Fazit: Wer eine schlimme Pubertät hatte, der wird Holden verstehen und braucht deshalb das Buch nicht groß zu lesen. Wer eine erfreuliche Jugend hatte, der wird Holden nicht verstehen und kann das Buch gleich bleiben lassen.

Also: Kann man sich sparen!

Gruß, die Scheil

4 Antworten to “Literaturspartipp: Der Fänger im Roggen (Salinger)”

  1. Mone Says:

    Hallo Cousine,

    das kann ich nachfühlen. Mir ging es ebenso, als ich mich an den „Fänger im Roggen“ machte und war ähnlich enttäuscht. Vielleicht muss man beim Lesen selbst in der Pubertät sein und alles schei** finden, um einen Bezug zum Buch aufbauen zu können; mir ist es nicht gelungen.
    Ich lese gerade einen anderen Klassiker der Weltliteratur: Der Herr der Ringe, zum x-ten Mal. Ist aber immer wieder gut.

    LG,
    Mone

  2. Franco Says:

    Und ich dachte, es geht bei diesem als Meisterwerk amerikanischer Literatur gepriesenen Buch um eine New-Age-Tussi, die ihren Traumfänger im Getreidefeld verloren hat. So weit kann man also daneben liegen…

  3. scheiloranch Says:

    @ Mone:
    Ich besitze den „Lord of the Rings“ seit ungefähr sechs Jahren, bin bisher aber nicht über den Prolog hinaus gekommen. Hab’s aber für dieses Jahr auf meine Liste gesetzt und werde es – hoffentlich – spätestens Silvester durchhaben! 🙂

    Schöne Grüße,

    Susi

  4. Mone Says:

    Hi Susi,

    die ersten Kapitel sind schwere Kost, weil die Landschaftsbeschreibungen sehr ausführlich sind. Erst nach dem Film kann ich mir besser vorstellen, wie diese Gegenden ausgesehen haben, denn die englischen Vokabeln habe ich nicht alle drauf… Aber ab dem Kapitel, wo sie „Strider“ treffen, wird es spannender. Lohnt sich, bleib dran!!

    LG,
    M.

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