Buchbesprechung: Elizabeth George – a Traitor to Memory

Ich habe wieder gelesen. Und wieder auf englisch, deshalb hat es auch ziemlich lange gedauert. Und dann kam mir auch noch Harry Potter dazwischen, aber jetzt bin ich ja fertig.

Ich präsentiere Euch heute einen Kriminalroman, der knapp fünf Jahre in meinem Regal lag, bevor ich mich rangetraut habe. Völlig zu Unrecht übrigens. „A Traitor to memory“ handelt – wer hätte es gedacht? – von Erinnerungen. Das fast 30jährige Wunderkind Gideon, das weltweit Erfolge an der Fidel feiert, verliert plötzlich mitten im Konzert sein Gefühl für die Musik und kann nicht mehr spielen. Daraufhin geht’s zur Therapeutin, die mit ihm in seiner Vergangenheit wühlt. Und da treten schauerliche Begebenheiten zutage, die Gideon bislang erfolgreich verdrängt hat…

Das Buch ist sehr ansprechend in zwei verschiedene Erzählformen geteilt: einmal der klassische Roman mit dem allwissenden Erzähler, einmal das Tagebuch des Gideon. Beide Erzählformen wechseln sich ständig im Buch ab. Und nun der Clou: Der eigentliche Roman umfasst einen Zeitraum von ungefähr 2 Wochen, während Gideons Tagebuch über mehrere Monate geht. Erst zum Schluss laufen beide Stränge zusammen. Das Buch hat 800 Seiten und ist sprachlich nicht ganz ohne, weil die Leute ständig Slang reden. Aber irgendwie versteht man dann doch alles (mehr oder weniger). Es macht Spaß, das Buch zu lesen, und man weiß eigentlich bis kurz vor Schluss nicht, was Sache ist.

Neulich lief das Buch als „Nie sollst Du vergessen“ im Fernsehen. Hab ich aufgenommen, muss ich noch sehen. *****Aaargh! Ich habe gerade versucht, mir die Aufzeichnung anzusehen. Ich hab den Videorekorder falsch programmiert! Ist nur die zweite Hälfte drauf! Ich brech ins Essen!*****

Nun komme ich mal konkret zum Inhalt. Also, wer das Buch noch lesen will, sollte hier wegklicken!

Vor 20 Jahren wurde Gideons kleine Schwester Sonia im Bad ertränkt. Das deutsche Kindermädchen Katja bekam dafür 20 Jahre. Nun ist sie draußen, und es geschehen schlimme Dinge: Gideons Mutter, die vor etwa 16 Jahren die Familie sang- und klanglos verlassen hat, wird ermordet (überfahren) aufgefunden. Außerdem werden eine Freundin Katjas, die damals im Prozess gegen sie ausgesagt hatte, und ein früherer Geliebter der Mutter angefahren. Gideons Vater wird vor einen Bus gestoßen. Und während Gideon so in seiner Vergangenheit kramt, wird ihm klar, dass nicht Katja, sondern er selbst Sonia umgebracht haben muss! Zum Ende hin stellt sich heraus, dass es wohl Gideons Vater war, der das kleine Mädchen ertränkt, alle anderen umgefahren und sich zur Tarnung vor den Bus geworfen hat. Die Mutter, um sie von Gideon fernzuhalten, und die anderen, um die Spur auf Katja zu lenken. Diese hatte damals die Schuld auf sich genommen, weil man ihr Geld dafür geboten hatte und man fälschlicherweise davon ausging, dass sie mit maximal fünf Jahren Knast davon käme. Da hat doch schon wieder jemand mit Zitronen gehandelt! Und Gideon, das Wunderkind, sollte natürlich nicht mit dem Tod der Schwester in Verbindung gebracht werden; wäre schlecht für die Karriere. Überhaupt ist Gideons Karriere Dreh- und Angelpunkt des gesamten Daseins seines Vaters, und er konnte einfach nicht riskieren, dass sein Sohn aufhört zu spielen, weil seine Mutter ihm sagt, er habe die Schwester umgebracht, weil sie selbst nicht wusste, dass es eigentlich der Vater war. Alles verstanden? 🙂

Die Scheil

Kleine Ergänzung: Wider Sinn und Verstand habe ich mir gestern Nacht dann doch die zweite Hälfte von „Nie sollst Du vergessen“ angesehen und bin doch einigermaßen verwirrt. Während es im Buch ja ein bißchen offen bleibt, wer die arme kleine Sonia ertränkt hat, ist es im Film ganz klar Gideon, und zwar hinterhältig geplant! Gut, in die Richtung kann man das Buch sicher etwas dehnen, aber was dann passiert ist, würde der findige Jurist als eindeutige Sachverhaltsquetsche bezeichnen: Der Mörder der ganzen Leute, die alle im Straßenverkehr attakiert werden, ist ein völlig anderer! Ich wäre fast vom Sofa gekippt, als es plötzlich hieß, der Vater – also der Täter in Buch – sei überfahren worden und mausetot! Im Film entpuppt sich der Geigenlehrer Gideons als Täter. Die Motivlage ist allerdings die gleiche: Das Wunderkind, das Supertalent, wie es nur einmal in 100 Jahren vorkommt, darf nicht für den Tod der Schwester drangekriegt werden.

Sowas!

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