Letzte Meldung aus CB

Eigentlich wollte ich ja schon vor einem Jahr umziehen, hat aber nicht geklappt. Das war aber auch ganz gut so. Mit einem „Mission erfüllt“-Gefühl schwinge ich mich nun samt Sack und Pack und Gigolo auf die Autobahn, um mein Zelt 600 km in Richtung Nordwest wieder aufzuschlagen. Ach ja, es wird mir doch einiges fehlen: die Freunde und Kollegen, die Kartenrunde (für mich unvergessen die Abende, an denen ich die anderen beim Fleischlosen unter 60 mit Ansage gespielt habe, als ich rücksichtslos den Genscher gemacht habe, als ich alle mit einer heimlichen Hochzeit verarscht habe), kreative Beleidigungen und Beschimpfungen Marke „Gammelfleisch auf zwei Beinen“ und „Topscheiße“, paddeln auf der Spree (hab ich zwar nur einmal gemacht, war aber gut), der Specht, jede Menge Sonne, Radio Musyka Fakty, Berlin nebst Flughäfen um die Ecke, Polen um die Ecke, unsere große Küche (wer hätte das gedacht?), Unisport (und wer hätte das gedacht?), der Wald und der Kiefernduft. Daneben gibt es natürlich auch Aspekte, denen ich nicht nachheulen werde, wie gefühlte 100 rote Ampeln jeden Tag, den Wessi-Skeptiker im Vorgarten, zu wenig Regen, Gurken, Radio Fritz, Unipolitik, „Es“, Flipflop-Carola, eine selten funktionierende Türklingel und die wohl lahmarschigsten Kassierer dieser Republik (anzutreffen bei Medi Max im Cottbus Center). Nicht zu vergessen diese unglaublich ausgefahrene Straße, die ich jeden Tag gefahren bin.

Seit Ewigkeiten habe ich mich über die Karl-Marx-Straße, die Thiem-Straße, die Sielower Chaussee oder wie sie noch heißt, jedenfalls die endlose Straße durch die Stadt, aufgeregt. Schlaglöcher, die monatelang keiner repariert, und ein dermaßen runder Querschnitt, dass die Pfützen im Herbst stets zu kleinen Seen mutieren. Und gestern schien es so, als wollte mir die Straße für mein ewiges Gemecker noch einmal ordentlich einen einschenken. Gestern schüttete es fast ganztägig wie aus Kübeln. Ab 17 Uhr wurde es schlagartig trocken, so dass ich mich aufs Fahrrad setzte und den Heimweg antrat. Auf eben dieser Straße. Natürlich sah ich die riesige Pfütze vor mir, und natürlich war mir der Golf aufgefallen, der von vorne kam. Es war klar: Wir drei würden uns treffen. Der Fahrer machte einen kleinen Schlenker in Richtung Straßenmitte. Innerhalb der nächsten drei Wimpernschläge passierte folgendes: Zuerst war ich frohen Mutes, mit ein paar Spritzern davonzukommen, doch dann musste ich zu meinem Entsetzen mit ansehen, wie sich ein Schwall brauner Brühe von der Straße erhob und sich mit voller Wucht, dass es mich fast vom Rad geholt hätte, über mich ergoss. Meine frisch gewaschenen Haare waren nass und dreckig, meine sandfarbene Jacke war verdreckt, ebenso wie meine gerade gewaschene Hose (die einzige, die ich derzeit tragen kann. Wer den Beitrag über den Grand Prix gelesen hat, weiß, dass ich mich in einem Klamottenengpass befinde). Dass ich unter der Jacke einen frisch gewaschenen weißen Pullover trug, muss ich wohl nicht extra betonen. Und dann der Sand im Mund, igitt! Tja Cottbus, vielen Dank für dieses nette Abschiedsgeschenk! Aber Schwamm drüber! J

Mein nächster Eintrag wird wohl wegen des Umzugs etwas auf sich warten lassen.

2 Antworten to “Letzte Meldung aus CB”

  1. B.K. aka Bernie Says:

    Und uns lässt du alleine in dieser erbarmungslosen Stadt! 😉
    Auf Wiedersehen, Susi! Ihr werdet mir fehlen!

  2. Gesa Says:

    Ja genau Susi, komm mal „heim ins Reich“. Allerdings erinnere ich mich gerne an meinen Besuch bei Dir in Cottbus, es war, glaube ich genau an Himmelfahrt vor 2 Jahren – oder vor 3 Jahren?? Ich weiß es gar nicht mehr. Was ich aber sagen will ist, dass ich bei schönem Wetter auf dem „Gurkenradweg“ gefahren bin. Zu jeder Mahlzeit leckere „Hefeplinse“ gegessen habe und dann in Cottbus im Zoo war sowie das Pücklerschloss besichtigt habe. Hier also noch mal vielen Dank an Deine Gastfreundschaft in Cottbus und mit Sicherheit werde ich dann auch in Wilhelmshaven auflaufen. Ich wollte das ja schon im April machen, hahahah, aber da warst Du ja selber noch gar nicht da, …wie witzig!! Also: Leb‘ Dich gut ein und dann kannst Du Dich ja mal melden. 🙂

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